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Interkulturelle Arbeit
Methoden der interkulturellen Arbeit
Jim und Jill führen eine Diskussion. „So ein Quatsch – interkultureller – was soll denn das sein?“ beschwert sich Jim. Er ist der Meinung, das geplante Video- seiner Mediengruppe mit jungen Spätaussiedlern macht einfach nur Laune – null Probleme. Jill findet das etwas blauäugig – „Was weißt du denn von denen, meinst du ihr versteht euch gleich?“. Vielleicht braucht es doch besondere Vorbereitungen?

In dieser Lerneinheit erfährst du:

Besonderheiten interkultureller Projekte
Hoch Runter

Jeder weiß es: Deutschland ist ein Einwanderungsland und steht damit in engen politischen, kulturellen und sozialen Verbindungen mit anderen Ländern. Deshalb leben hier Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Es ist auch bekannt, dass vor diesem Hintergrund ein mögliches Konfliktpotenzial vorhanden ist, das im Alltag zu Ausgrenzungen und Rassismus führen kann.

Interkulturelle Jugendarbeit versteht sich deshalb als verbindende Jugendarbeit, die Verständnis für andere erzeugt und zur Überwindung von Trennungen beiträgt.

Multi-Kulti oder interkulturell?
Der Begriff Multi-Kulti findet immer dann Einzug in die Alltagssprache, wenn unterschiedliche Kulturen das Bild einer Gesellschaft besonders deutlich prägen. Das heißt, Menschen vieler (Multi) Kulturen (Kulti) leben an gemeinsamen Orten nebeneinander, vielleicht auch miteinander. Der Begriff Multi-Kulti sagt über die Qualität des Miteinanderlebens von Menschen unterschiedlicher Kultur eigentlich überhaupt nichts aus. Multi-Kulti heißt einfach nur, dass die Kulturen nebeneinander existieren.

Zunehmend wird der Begriff deshalb auch in der Tagespolitik als unscharf und „Kuschelbegriff“ abgelehnt. Politiker, die das Wort Multikultur weiterhin verwenden, benutzen es nicht als Chiffre für Beliebigkeit, sondern um Deutschland als Einwanderungsland zu beschreiben.

Um das Neben- oder Miteinanderleben von unterschiedlichen Kulturen zu beschreiben, wird deshalb auch zunehmend der Begriff „“ verwendet. Darunter versteht man erst einmal das, was man selbst (subjektiv) als Fremdes erlebt. Darüber hinaus ist aber vor allem ein Erlebnis und einen Austausch gemeint, der die Beteiligten und ihre Weltsicht verändert.

Kulturen der Welt
Kulturen der Welt

Der Begriff „interkulturell“ setzt voraus, dass das Vorhandensein unterschiedlicher Kulturen immer auch Zusammenstösse mit sich bringt, dass ein Zusammenleben ohne „Ausrutscher“ von Menschen aus verschiedenen Kulturen kaum möglich ist. Damit umfasst dieser Begriff viel mehr, als nur ein Nebeneinander des „Multi-Kulti“.

Interkulturelle Kompetenz
Wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinander treffen – egal wie alt sie sind – können immer wieder Probleme auftauchen, die ganz unterschiedliche Ursachen haben. Das können ganz einfach Sprachprobleme sein, die vielleicht zu Missverständnissen führen. Das können aber auch Verhaltensmuster im täglichen Alltag sein, die vielleicht irritieren oder befremden – angefangen beim Essen, der Kleidung bis hin zum Verhältnis von Jungen und Mädchen oder der Rolle der Familie.

Bei der Realisierung von Projekten, wo Jugendliche unterschiedlicher Herkunft und Kultur etwas miteinander tun sollen oder wollen, sollte immer auch berücksichtigt werden, welche interkulturellen Fähigkeiten oder Kompetenzen bei den Projektteilnehmer/innen vorhanden sind oder im Rahmen des Projekts entwickelt werden können.

Übrigens
Man sollte nie davon ausgehen, dass der andere so wahrnimmt wie man selbst, dass er so denkt oder fühlt, wie man glaubt, dass er denkt oder fühlt. Insofern lebt jeder Mensch in seiner eigenen Welt. Je ähnlicher allerdings das Aufwachsen, familiäre und kulturelle Prägungen, desto mehr Ähnlichkeiten können auch in der Interpretation der Signale aus der Außenwelt bestehen.

Interkulturelle Kompetenzen knüpfen an soziale Kompetenzen der Menschen an, wie sie in ihrem alltäglichen Leben entwickelt und genutzt werden: was weiß ich eigentlich von anderen, wie rede ich mit ihnen, wie offen bin ich, wie gehe ich mit Streit und Konflikten um, welche Rolle übernehme ich in solchen Situationen. Kann ich vermitteln, zuhören, interessieren mich andere Meinungen und kann ich diese auch mal akzeptieren - können weitere Kompetenzen sein.

Vor allem dieses Handlungswissen wird in interkulturellen Projekten von besonderer Bedeutung, wenn die Beteiligten auf Menschen stoßen, die nicht dem gewohnten Umfeld oder gewohnten Alltagskultur kommen.

Wichtig kann aber auch sein, sich vorher über die Herkunft, Land und Gebräuche zu informieren und entsprechendes Wissen anzueignen. Damit lassen sich Irritationen schon im Vorfeld vermeiden.

Methoden interkultureller Arbeit
Für die Projektarbeit mit interkulturellem Hintergrund wurde eine Reihe Methoden entwickelt und praktisch erprobt.

Diese Methoden haben unterschiedliche Funktionen und können – richtig angewandt – den Projektteilnehmer/innen durchaus Spaß machen.

Diese Methoden helfen zum einen, Fähigkeiten zu entwickeln, die es ermöglichen, bestimmte Situationen zu erkennen oder zu erkennen, wie es zu dieser Situation gekommen ist () . Andere Methoden unterstützen die Entwicklung von aktiver Beteiligung (Handlungskompetenzen) in Alltags-, aber auch in Konfliktsituationen. Eine dritte Gruppe solcher speziellen Methoden befördert die Fähigkeit die eigene Rolle, die eigene Wirkung in bestimmten Situationen zu erkennen und zu bewerten () .

Beispiele für die Kompetenzbereiche
Beispiele für die Kompetenzbereiche

Die hier vorgestellten Methodenbeispiele oder Übungen können als eine Sammlung von Instrumenten betrachtet werden, die sowohl im inhaltlichen Zusammenhang (Er-)Kenntnisse bringen, als auch der Persönlichkeitsbildung dienen sollen und für jede spezifische Situation sensibel und flexibel ausgewählt, durchgeführt und in ihrer Wirkung und Sinnhaftigkeit kritisch betrachtet werden sollten.

Methodenset 1: Annäherung und Einstieg ins Thema
Hoch Runter

Bereits bei der Vorstellung sollten die Teilnehmer/innen eines Projekts etwas über sich aussagen. Durch den spielerischen Umgang mit dem eigenen Namen und Merkmalen der Person ermöglichen diese Übungen sowohl in heiterer, als auch ernster Weise etwas zu sich zu sagen. Jeder kann den Grad der Ernsthaftigkeit seiner Selbst-Aussage auch selbst bestimmen, man kann sich auch zurückhalten.

Übrigens
Erprobt wurden diese und andere Methoden u.a. in einem interkulturellen Jugendprojekt „Ich seh’ mich nicht, wie du mich siehst!“ im Rahmen des Bundesprogramms CIVITAS.

Wen der Ball trifft
Die Gruppe steht im Kreis, der beginnt – mit einem Ball in den Händen - indem er den eigenen Namen und zwei Merkmale von sich sagt, z.B. ein Hobby und etwas, was ihm wichtig ist. Dann wirft er den Ball einer anderen Person zu die sich ebenso vorstellt, was so weiter geht, bis die ganze Gruppe dran war.

Die Teilnehmer/innen können im Anschluss sagen, wie sie die Übung empfunden haben und was sie ihnen an Informationen über die anderen gebracht hat bzw. wasi ihnne aufgefallen ist.

Spinnennetz
Statt des Balles wird nun ein Wollknäuel benutzt, das der in der Hand hält. Er stellt sich vor, z.B. Name und Erwartungen an das , sein Verhältnis zum Thema etc. Dann nimmt er das Ende des Knäuels, lockert den Faden, behält das Ende des Fadens in der Hand und wirft das Knäuel einer anderen Person zu, die sich ebenfalls vorstellt. Dann hält diese den Faden fest, bevor sie das Knäuel zu jemand anderem weiterwirft. So entsteht allmählich ein Netz. Wenn es fertig ist, wird es betrachtet und die Teilnehmer/innen geben ihre Assoziationen, das heißt ihre Sicht dazu wieder.

Assoziationen zum Wollnetz
Assoziationen zum Wollnetz

Man kann auch eine Fortsetzungs-Geschichte erzählen lassen, bei der die Teilnehmer/innen je einen Satz weitererzählen und ihre Phantasien und/oder Kenntnisse zum Thema einbringen können.

Obstkorb
Diese Übung bewegt die Gruppe zunächst körperlich, aber zunehmend auch inhaltlich mit einem konkreten Themenbezug. Mit dieser Übung kann eine erste lebendige Bestandsaufnahme zur jeweiligen Problematik durchgeführt werden.

Die Teilnehmer/innen sitzen im Kreis, die Moderatorin steht in der Mitte und fordert alle auf, den Platz zu tauschen, auf den zutrifft, was sie sagt: Zum Beispiel „Alle, die braune Augen haben tauschen den Platz“. Während die Betreffenden die Plätze wechseln, setzt sich die Moderatorin auf einen freiwerdenden Stuhl. Die- oder derjenige, der übrig bleibt, gibt die nächste Anweisung.

Diese Übung kann ohne bestimmte Inhalte, aber auch themenspezifisch gestaltet werden. Will man z.B. zu Konflikten arbeiten, ruft man das Thema auf und die Teilnehmer/innen geben z.B. folgende Anweisungen: Alle, die kürzlich Streit mit ihren Geschwistern, Probleme auf dem Schulhof, eine Konflikt mit ihren Eltern… oder beigelegt haben, tauschen den Platz.
Ruft jemand „Obstkorb“, müssen alle ihre Plätze tauschen, d.h. sich bewegen.

TIPP
Zu empfehlen ist es auf alle Fälle, für die Nutzung oder Anwendung dieser Übungen eine/n entsprechend qualifizierte/n Moderator/in zur Seite zu haben.

Wichtig ist es, anschließend nach dem persönlichen Eindruck zur Übung zu fragen. Inhaltliche Informationen sollte man sammeln und Ergebnisse sichern, z.B. Konfliktschwerpunkte oder -lösungsformen registrieren und schriftlich festhalten.

Gordischer Knoten
Mit dieser Übung kann (körperliche) Nähe unter denn Projektteilnehmer/innen hergestellt werden. Man kann „mitfühlen“ zunächst wörtlich bei der Suche nach einer anderen Hand, Teamgeist mobilisieren, Kooperation und Koordination fördern. In Kommunikationstrainings: Auf Ähnlichkeiten mit gestörter Kommunikation und Konfliktlösungsstrategien hinweisen, diese konkret erleben lassen.

Die Teilnehmer/innen stehen Schulter an Schulter im Kreis und strecken ihre Hände in die Mitte aus. Mit oder ohne geschlossene Augen, je nach Ziel und Gruppe, werden sie aufgefordert, mit jeder Hand eine andere von 2 unterschiedlichen Personen zu greifen und nicht mehr loszulassen. Im 2. Schritt soll der so entstandene „Gordische Knoten“ aufgelöst werden, indem man über die Hände hinwegsteigt, unter ihnen durchklettert etc. Meistens entstehen am Ende ein oder mehre geschlossene Kreis/e.

Auch hier ist es wichtig, nach dem persönlichen Eindruck zur Übung zu fragen und entstehende Assoziationen z.B. zu Streit und Konflikten anzuregen bzw. über Lösungserfahrungen zu sprechen.

Methodenset 2: Selbst- und Fremdwahrnehmung
Hoch Runter

Wenn mein Auto mich verrät
Diese lebendige Übung kombiniert die Selbstdarstellung mit der Gestaltung des Selbstbildes und des selbstvermuteten sowie tatsächlichen Fremdbildes. Im Spiegel der Rückmeldungen der anderen können diese bestätigt bzw. ggf. korrigiert werden.

Jeder Teilnehmer schreibt auf ein (möglichst vorgefertigtes) Blatt beliebig viele Bild-Assoziationen zu sich selbst auf. Wenn ich ein/e Blume, Möbel, Haus, Auto, Buch, Film, Tier, etc. wäre, wäre ich ein/e…..

Wenn ich ein/e Blume/Frucht/Gefühl wär...
Wenn ich ein/e Blume/Frucht/Gefühl wär...

Die Blätter werden gefaltet, gemischt und an andere Teilnehmer/innen verteilt. Die Texte werden von diesen entweder in einem Stück, aber auch von Assoziation zu Assoziation vorgetragen. Die Vorleser/innen dürfen zuerst raten, um wen es sich handelt. Im Zweifelsfall hilft die Gruppe. Dann wird darüber gesprochen, warum die Bilder nach Meinung der anderen passten oder nicht passten.

Kalte Dusche – warme Dusche
Diese Übung dient dem bewussten Erleben und Differenzieren von geschlechtsrollenspezifischem Verhalten, Denken und Fühlen, dem Infragestellen von diesbezüglichen Zuschreibungen und Vorurteilen und der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechts-Identität.

TIPP
Es wäre günstig, wenn man für diese Übung getrennte Räume nutzen könnte, damit die Gruppen „unbeobachtet“ arbeiten können.

Jungen und Mädchen arbeiten in getrennten Gruppen. Beide haben 2 große Bögen mit der jeweiligen Überschrift, das Gegengeschlecht betreffend: „Was wir an den Mädchen/Jungen mögen“ bzw. auf dem 2. Blatt: „…nicht mögen“.

Diese Aussage und Einzelaspekte dazu werden in jeder Gruppe diskutiert und die Ergebnisse schriftlich auf den Bögen festgehalten. Dann stellen die Gruppen sich gegenseitig die kalte und die warme Dusche vor. Dabei dürfen sie nicht unterbrochen werden. Danach nimmt die angesprochene Gruppe Stellung dazu und darf ebenfalls nicht unterbrochen werden. Dann wird die Diskussion eröffnet. Bei den schriftlichen und mündlichen Wortwechseln müssen Regeln eingehalten werden wie: keine Beleidigungen, keine Verallgemeinerung der eigenen Meinung, ausreden lassen etc. Die Ergebnisse werden schriftlich festgehalten.

Von Begrüßung zu Begrüßung
Durch das Erleben unterschiedlicher Begrüßungsriten und die Beschäftigung mit ihren kulturellen, religiösen und sozialen Hintergründen kann Sensibilität für unterschiedliche Bedeutungen von gleichen Verhaltensweisen oder gesprochenen Worten in verschiedenen Kulturen geübt und Verhaltenssicherheit im Umgang mit Fremdem gestärkt bzw. entwickelt werden.

Es werden Infokarten und entsprechende Identifikationskärtchen zu unterschiedlichen Kulturen verteilt. In Gruppenarbeit werden die dort beschriebenen Inhalte und Formen der Begrüßungsriten erarbeitet und eingeübt. Im Rollenspiel begegnen sich Vertreter/innen der unterschiedlichen Kulturen, die Moderatorin lädt die Teilnehmer/innen ein, Kontakt miteinander aufzunehmen. Dabei „prallen“ zwangsläufig unterschiedliche Gewohnheiten mit ihren jeweiligen Bedeutungen mehr oder weniger kompatibel aufeinander.

Die 1. Auswertungsrunde dieser Übung fragt vor allem die emotionalen Erlebnisse der Teilnehmer/innen einzeln oder in der Gruppe ab (mit den Vertreter/innen welcher Kultur wurden welche Erfahrungen gemacht etc.). Am Ende werden diese Eindrücke auf ihre Repräsentativität in der Begegnung mit Fremden analysiert und Rückschlüsse daraus gezogen.

In der 2. Auswertungsrunde teilen sich die Vertreter/innen der simulierten Kulturen gegenseitig die Hintergründe ihres Verhaltens im Rollenspiel mit. Wiederum wird deren Wirkung auf die bisherigen Einstellungen und Haltungen nachvollzogen.

In der 3. Runde wird auf die vielgestellte Frage nach dem „richtigen Verhalten in der Begegnung mit Fremdem“ eingegangen und allgemeine Rückschlüsse auf Vorurteilsbildung, positive und negative Diskriminierung und umgekehrt auf ein partnerschaftliches bzw. gleichberechtigendes Verhalten in solchen Situationen gezogen.

Zusammenfassung

Jim ist ziemlich erstaunt, dass man sich auf ein gemeinsames z.B. mit jugendlichen Spätaussiedlern doch speziell vorbereiten kann. Er will sich jetzt erst mal schnell über das Herkunftsland der Gäste informieren und nachschauen, was man in Sibirien so isst bzw. nicht mag. Außerdem fand er das „Spinnennetz“ als Trick zum gegenseitigen Kennenlernen richtig super. Und Jill will eine Bekannte ihres Vaters um Unterstützung bitten, die schon oft solche Projekte professionell moderiert hat.

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